01. PALAIS IDEAL DE FERDINAND CHEVAL
April 1879. Ferdinand Cheval, ein 43-jähriger Landbriefträger, stieß bei einer seiner Touren auf einen so seltsamen Stein, dass dieser einen Traum in ihm weckte. Als wahrer Autodidakt widmete er 33 Jahre seines Lebens dem Bau eines Traumpalastes in seinem Gemüsegarten, inspiriert von der Natur, Postkarten und den ersten illustrierten Zeitschriften, die er austrug. Täglich legte er auf seinen Touren rund 30 Kilometer durch die ländliche Gegend zurück und sammelte dabei Steine, unterstützt von seiner treuen Schubkarre. Allein und unverstanden, ritzte er auf sein Denkmal: „Das Werk eines Mannes“. Sein Traumpalast wurde 1912 fertiggestellt. Der ideale Palast des Briefträgers Cheval: Im Herzen eines üppigen Gartens stellte er sich einen unbewohnbaren Palast vor, bevölkert von einer unglaublichen Menagerie – Oktopus, Reh, Kaiman, Elefant, Pelikan, Bär, Vögel… Aber auch Riesen, Feen, mythologische Gestalten, Wasserfälle und Architekturstile von allen Kontinenten. Ein architektonisches Meisterwerk, so unklassifizierbar wie universell. Der weltweit einzigartige Palacio de Ideal inspiriert Künstler seit über einem Jahrhundert. Unabhängig von jeglicher Kunstrichtung und ohne architektonische Regeln erbaut, wurde er von den Surrealisten bewundert und als Werk der Outsider Art anerkannt. 1969 wurde er von André Malraux, dem damaligen Kulturminister, als historisches Denkmal in der Kategorie Naive Kunst eingestuft.
02. CHATEAU DE BREZE
Unweit von Saumur gelegen, bietet das Château de Brézé ein weltweit einzigartiges Erlebnis: eine „Burg unter einer Burg“. Während die Fassade die Eleganz eines Renaissancehauses widerspiegelt, das im 19. Jahrhundert im prunkvollen neugotischen Stil umgestaltet wurde, verbirgt sich sein wahres Geheimnis unter den Fundamenten. Dort entdeckt man die größte Höhlenherrschaft Europas, ein in den Tuffstein gehauenes Labyrinth, das in Kriegszeiten als uneinnehmbarer Zufluchtsort und autarkes Zentrum des Lebens diente. Beim Abstieg in die trockenen Burggräben, mit 18 Metern die tiefsten Frankreichs, betritt man eine faszinierende Parallelwelt. Dieses unterirdische Netzwerk, das sich über vier Kilometer erstreckt, beherbergt Ställe, Küchen, eine Bäckerei und gewaltige mittelalterliche Weinpressen und zeugt vom Einfallsreichtum der Erbauer, die den Felsen in eine unsichtbare Festung verwandelten. Es ist eine beeindruckende Zeitreise, bei der man zwischen dem hellen Licht der königlichen Fassaden und dem geheimnisvollen Schatten der vor mehr als tausend Jahren angelegten Galerien wandert.
03. CHATEAU D'USSE
Hier ein Tipp für das Château d'Ussé, das bezauberndste Schloss des Loiretals, mit seinem unverkennbaren filmischen Flair. Château d'Ussé: Ein wahrgewordener Traum im Land der Märchen Das auch als „Dornröschenschloss“ bekannte Schloss Ussé wirkt mit seinen weißen Türmen, geschwungenen Dächern und kunstvollen Dachgauben wie direkt einer mittelalterlichen Illustration entsprungen. Hier soll Charles Perrault, fasziniert von der romantischen Silhouette des Anwesens am Ufer der Indre, seine berühmte Geschichte erdacht haben. Zwischen den von Le Nôtre gestalteten Terrassengärten und den mit Schätzen gefüllten Innenräumen lädt das Schloss zu einem zeitlosen Spaziergang ein. Doch lassen Sie sich nicht von seinem märchenhaften Charme täuschen: Das Anwesen besitzt einen starken Charakter, der Abenteuerfilmer schon oft in seinen Bann gezogen hat. Fans von Jean-Paul Belmondo erinnern sich sicher noch daran, dass das Schloss und seine Umgebung als Kulisse für den Film „Scoumoune“ dienten, in dem „Bébels“ Charisma einen starken Kontrast zur zeitlosen Eleganz der alten Steine bildete. Heute flanieren Besucher auf den Wehrmauern und begegnen Szenen aus Perraults Märchen, während sie die exquisiten Details eines Monuments bewundern, das die Zeit überdauert hat, ohne etwas von seinem Zauber einzubüßen. Ein absolutes Muss für Träumer und Abenteuerlustige gleichermaßen.
